Ground Control to Major Tom: Das vierte summarum Barcamp im Rückblick
Für das Motto unseres vierten Barcamps haben wir uns bei David Bowie bedient. Kaum ein Künstler steht so sehr für Veränderung und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Also quasi wie die Agenturbranche. „Ground Control to Major Tom“ trifft zudem ziemlich genau das Bedürfnis nach Orientierung und nach Bodenhaftung, mit dem viele Agenturen derzeit unterwegs sind:
Märkte verändern sich, Kundenanforderungen verschieben sich und damit die vertrauten Fixpunkte. Schwerelosigkeit klingt nach Freiheit, fühlt sich im Agenturalltag jedoch oft eher nach Unsicherheit an.
Wie steuern Agenturen also, wenn alles schwebt? Diese Frage stand beim summarum Barcamp am 12. Juni 2026 im Vordergrund. Zentrale Themen der acht Sessions: Wandel, Führung, Geschäftsmodelle. Eben das, was uns täglich bewegt. Das Format gibt uns die Möglichkeit, offen und ehrlich darüber zu reden. Orientierung findet eben selten im Alleingang statt.
Diese Themen haben wir beim vierten summarum Barcamp diskutiert:
Wandel als Kompetenz: Wie viel Veränderung verträgt ein Team?
Wandel ist für Agenturen kein neues Phänomen. Aber wie viel Veränderung können Menschen dauerhaft verkraften? Anders gefragt: Wie schaffen Agenturen den Spagat zwischen Innovationsdruck und dem Wunsch nach Orientierung? Immerhin haben sie sich dieses Umfeld ja bewusst ausgesucht. Als Taktgeber der Kommunikation können sie es sich kaum leisten, Entwicklungen zu verschlafen.
Eine Teilnehmerin bringt es auf den Punkt: „Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend.“ Je schneller sich Märkte, Technologien und Kundenanforderungen verändern, desto größer wird oft auch das Bedürfnis nach Ruhepolen.
Die Diskussion macht klar: Es müssen nicht alle Mitarbeitenden jedes neue Thema beherrschen. Nicht jeder Trend ist es wert, ihm zu folgen. Veränderung braucht Zeit, für die Menschen, aber auch für die Fokussierung. Um ihre Akzeptanz und zugleich die Resilienz im Team zu fördern, müssen Agenturen den Wandel bewusst in ihre Unternehmenskultur integrieren.
Geschäftsmodelle: Welche funktionieren gerade?
Klares Fazit der Session: Flexibilität schlägt Planbarkeit. Statt großer Budgets und langfristiger Festlegungen bevorzugen viele Kund:innen heute Modelle, die sich bedarfsgerecht abrufen lassen. Beispielsweise über Jahreskontingente zum flexiblen Abruf, monatlich abgerechnet, am Jahresende ausgeglichen.
Oftmals lohnt es sich auch, mit einem kleinen Auftrag anzufangen und sich über gute Beratung und Führung das Vertrauen für weitere Aufträge aufzubauen. Das verleiht der Beziehungspflege einen neuen Wert: Das gemeinsame Kaffeetrinken reicht nicht mehr aus. Stattdessen müssen Agenturen sich als echte Expert:innen für das Geschäft der Kund:innen positionieren, um zu skalieren. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch: Um den gewohnten Umsatz zu erzielen, ist mehr Leistung erforderlich.
Abrechnungsmodelle: Auf der Suche nach dem Königsweg
Retainer, Leistungspakete, Stundenabrechnung oder Pauschalen: Jedes Modell bringt eigene Vor- und Nachteile mit sich. Während Stundenmodelle den tatsächlichen Wert einer Leistung oft nur unzureichend abbilden, können Pauschalen schnell zu Diskussionen führen. Welche Form funktioniert, hängt deshalb häufig weniger von der Agentur als von den jeweiligen Kund:innen ab.
Besonders spannend wird es bei dieser Frage: Wo geht eigentlich Geld verloren? Die Antwort lautet: im Pitch. In keiner anderen Branche werden so selbstverständlich Zeit und Wissen verschenkt. Obwohl diese Praxis regelmäßig kritisiert wird, beteiligen sich weiterhin viele Agenturen daran. Der Wettbewerb tut es halt auch. Ob sich das durch die aktuelle Marktbereinigung von selbst reguliert? Möglich.
Generationsshift und Nachfolge: Wie gelingt der Übergang?
Mitarbeitende Mitte vierzig, gut ausgebildet, gut bezahlt, jahrelang das Rückgrat der Agentur. Und jetzt? Die Rollen in Agenturen verändern sich spürbar. Heute sind oft andere Kompetenzen gefragt als noch vor wenigen Jahren. So berichtet eine Agentur, dass die Praktikantin dem Social-Media-Team zeigt, wie Videos direkt auf dem Smartphone geschnitten werden. Die Herausforderung besteht darin, alte Hasen weiterzuentwickeln und mit neuen Aufgaben auszulasten. Gleichzeitig wird deutlich: Nicht jede:r möchte oder kann diesen Weg mitgehen.
Wie beim letzten Barcamp beschäftigt außerdem das Thema Unternehmensnachfolge die Teilnehmenden. Ob Schließung, interne Nachfolge oder Verkauf: Jeder Weg erfordert frühzeitige Planung und realistische Erwartungen. Mehrere Teilnehmende berichteten von gescheiterten Versuchen, eine interne Nachfolge aufzubauen. Ein Satz bleibt hängen: Man kann niemandem beibringen, für das Unternehmertum zu brennen.
Cultural Intelligence: Unternehmenskultur als Wirtschaftlichkeitsfaktor
„To culture or not to culture – das ist die Profitfrage.“ Mit dieser provokanten These startet die Diskussion über Unternehmenskultur in Agenturen. Schnell wird deutlich: Kultur ist immer da. Die eigentliche Frage ist, ob sie bewusst gestaltet wird oder sich zufällig entwickelt.
Die Teilnehmenden sind sich einig, dass Werte und Prinzipien Orientierung schaffen und Transparenz fördern können. Gleichzeitig reicht es nicht, Kultur zu definieren oder nach außen zu kommunizieren. Sie muss im Alltag gelebt werden, insbesondere von Führungskräften. „Von oben gewollt, von oben vorgemacht“ lautet ein Gedanke der Session.
Diskutiert wird auch die Verbindung zwischen Kultur und Wirtschaftlichkeit. Wo Kultur nicht funktioniert, hat das Auswirkungen auf Motivation, Commitment und Zusammenarbeit.
Interessant ist außerdem der gesellschaftliche Blickwinkel: Agenturen sind längst nicht mehr grundsätzlich anders als andere Unternehmen. Der Glamour-Faktor ist weg. Umso wichtiger wird es, sich Zeit für die Unternehmenskultur zu nehmen und ihre Werte zu leben.
FOMO: Bewusster Umgang mit Schnelligkeit
Die Geschwindigkeit, mit der neue Trends, Technologien und Themen entstehen, beschäftigt viele Agenturen. Gleichzeitig wächst die Herausforderung, Informationen zu kuratieren und zu entscheiden, was wirklich relevant ist (und was eben auch nicht). Jemand in der Runde beschreibt das treffend als Symptom einer „Müdigkeitsgesellschaft", in der Selbstoptimierung zum Dauerzustand geworden ist
Insbesondere soziale Netzwerke wie LinkedIn können FOMO verstärken, also die Angst davor, etwas zu verpassen. Neue Entwicklungen, Jobwechsel oder Erfolgsstories sind allgegenwärtig. Oft entsteht daraus die Frage: Warum machen wir das eigentlich noch nicht? Die grundsätzliche Frage nach dem Warum gerät dabei leicht in den Hintergrund.
Als Gegenpol zur FOMO kommt auch das Konzept der JOMO („Joy of Missing Out“) zur Sprache. Sie formt den Weg zu mehr Achtsamkeit, Haltung und der Fähigkeit, bewusst Entscheidungen zu treffen. Dabei spielt die eigene Identität eine wichtige Rolle: Wenn du als Mensch, Führungskraft oder Agentur weiß, wofür du stehst, kannst du leichter entscheiden, welchen Entwicklungen du folgst und welche du bewusst vorbeiziehen lässt.
Akquise in schwierigen Zeiten: Dranbleiben lohnt sich
Akquise fühlt sich heute für viele Agenturen anders an als noch vor einigen Jahren. Klassische Vertriebslogiken greifen oft nicht mehr, weil Kommunikation zunehmend unverbindlicher wird.
Gleichzeitig steht die Frage im Raum, ob Akquise überhaupt noch Wirkung entfaltet oder ob der Aufwand ins Leere läuft. Die Erfahrung vieler Teilnehmender zeigt jedoch: Dranbleiben lohnt sich. Kontakte entwickeln sich oft zeitverzögert, nach dem Prinzip eines „Karma-Karussells“, bei dem Input und Ergebnis nicht unmittelbar zusammenhängen.
Als Gegenbewegung zur anonymeren Kommunikation gewinnt persönliche Sichtbarkeit an Bedeutung. Corporate Influencing und individuelle Profile ersetzen zunehmend reine Unternehmenskanäle. Gesicht zu zeigen und sichtbar im Gespräch zu bleiben, zahlt sich aus.
Fehlerkultur, Führung, Motivation: Was Führungskräfte heute leisten müssen
Die letzte Session des Tages ist eng verknüpft mit der ersten: Veränderung ist aktuell die größte Herausforderung für Agenturen. Das gilt auch für die Führungskräfte, deren gezielte Weiterbildung überraschenderweise noch nicht systematisch verankert ist. Dabei müssen sie heute viele Fähigkeiten mitbringen, darunter eine hohe Bereitschaft zur Reflektion, sich selbst und dem Team gegenüber.
Ein Schwerpunkt der Diskussion liegt auf Fehlerkultur und Feedback. Beides wird eng miteinander verknüpft: Ohne ehrliches Feedback auf Sachebene kann keine tragfähige Fehlerkultur entstehen. Entscheidend ist dabei auch die Frage, welche Fehler noch Lernchance sind und welche existenzielle Folgen haben.
Interessanterweise versteht die Runde Motivation weniger als Aufgabe von Führung. Stattdessen werden Wertschätzung, Transparenz und Dialog als zentrale Faktoren genannt, auch intrinsische Motivation im Team zu fördern.
Houston, wir haben … ziemlich gute Gespräche gehabt
Das summarum Barcamp hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der offene Austausch innerhalb der Agenturwelt ist. Wir hatten viel Raum für zugewandte Begegnungen und einen ehrlichen Austausch zu Themen, die uns alle bewegen. Beides ist richtig wichtig, um die Bodenhaftung zu bewahren. Herzlichen Dank an euch Teilnehmende für euer Kommen und eure Offenheit! Wir freuen uns jetzt schon aufs nächste Mal!
Das summarum Barcamp in Bildern
(Fotos: Dirk Kels, Kels Design & Partner)
Das sagen unsere Teilnehmenden:
„Ein Tag, viele kluge Köpfe, sehr gute Fragen und ein sehr offener Dialog. Ich fand es richtig gut! Und die Themen? Hätten aktueller kaum sein können. Danke an summarum für die Einladung und die wertvollen Inspirationen. Und danke an alle, die ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Gedanken so offen geteilt haben. Genau solche Formate bringen unsere Branche weiter. 💜" – Vivian Stürmann, Geschäftsführerin zeron GmbH
„Der Tag mit Euch war für mich bereichernd auf so vielen Ebenen. Danke für Kontakte, Gespräche und Impulse. Danke für den sehr wertschätzenden Umgang und die 100% Wohlfühlpackung an das ganze Team von summarum. Es geht nichts über LIVE - freu mich aufs nächste Mal!" - Carola Knoll-Janssen, Geschäftsführerin Framework GmbH
„Ein tolles inspirierendes Format - danke fürs Möglichenmachen, liebe summarum!" – Thorsten Stark, Interim Manager Marketing und Kommunikation (links)
„Danke, dass ihr wieder so viele kundige und sympathische Menschen in eurem 'Wohnzimmer' versammelt habt, um über die Themen zu sprechen, die uns alle bewegen. Es war mal wieder klasse! 👏" - Max C. Winterhoff, CEO und Gründer Rheinstrategie GmbH (rechts)
„Ihr habt es wunderbar hinbekommen diesen geschützten Raum zu realisieren. Ich habe mich von Sekunde 1 an super abgeholt und sehr willkommen gefühlt. Mitgenommen habe ich sehr sympathische Kontakte, die ein oder andere Synergie und wertvolle Impulse. Vielen Dank an das ganze summarum Team - beim nächsten Camp bin ich auf jeden Fall wieder dabei!" - Julia Rausch, Geschäftsführerin KOSTAL DESIGN
Was ist das summarum Barcamp?
Das summarum Barcamp ist unser interaktives Veranstaltungsformat für echten Austausch auf Augenhöhe. Von Agenturleuten für Agenturleute. Ohne Frontalbeschallung, dafür mit offenen Diskussionen, spannenden Impulsen und Persönlichkeiten, die Lust haben, Wissen zu teilen. Ein Tag, an dem es um das geht, was Agenturen wirklich bewegt – wirtschaftlich, strategisch und menschlich. Keine Bühne, kein Bullshit: Beim summarum Barcamp geht es um ehrliche Gespräche und neue Perspektiven. Hier kannst du den Rückblick auf unsere Auftaktveranstaltung im September 2024 nachlesen.
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